Erklärung zum geplanten Radschnellweg Mannheim – Heidelberg

Einführung

Um eine Region aufzuwerten und zukunftsfähig zu machen, müssen nicht nur in Wirtschaft und Gesellschaft, sondern infrastrukturell neue Ideen entstehen. Diese sollen die Mobilität von morgen unterstützen sowie Stadt und Land vernetzen. Ein Radschnellweg ist hier ein willkommenes Projekt, um den immer stärkeren, aufkommenden Radverkehr zu bündeln und zu stärken. Nicht nur entsteht ein Anreiz für ein neues Verkehrsmittel für Pendler, sondern auch die Sicherheit auf der Straße wird immens erhöht. Wir begrüßen es deshalb, dass die Metropolregion Rhein-Neckar mit den beiden Städten Mannheim und Heidelberg für dieses Pilotprojekt ausgewählt wurde. Denn gerade hier profitieren die beiden Städte und das Umland besonders voneinander. Eine gesonderte Strecke für individuellen, emissionsfreien Nahverkehr verstärkt diese Bindung umso mehr – vor allem in einer Zeit, in welcher wir kontinuierlich versuchen, Emissionswerte weiter zu verringern, Parkplätze in den Städten sich verknappen und gleichzeitig wieder ein Gefälle zwischen Stadt und Land entsteht. Wir, die JU Mannheim, die JU Heidelberg und die JU Rhein-Neckar, haben uns deswegen entschlossen, den Radweg entsprechend der zu diesem Zeitpunkt (18.09.2019) geplanten Route zu befahren. Im Zuge der Bürgerbeteiligung wollen auch wir uns einbringen indem wir auf Probleme und Gefahren, welche die aktuell geplante Route mit sich bringt, hinweisen, um so dabei zu helfen, einen Radschnellweg zu schaffen, welcher sich optimal an die gegebenen Umstände anpasst und Hand in Hand mit den anderen Verkehrsmitteln nutzbar ist.

Im weiteren Verlauf der Erklärung haben wir die Strecke zum leichteren Verständnis und besserer Einordnung in Abschnitte eingeteilt:

Innenstadt Mannheim

Der Radweg beginnt in den Quadraten aufgeteilt in entgegengesetzte Einbahnstraßen. Dabei fragen wir uns wieso der Radweg nicht bis Schloss durchgezogen worden ist. Dadurch wäre eine Anbindung des Schlosses und der Universität möglich. Weiter führt der Weg über den Kurpfalzring am Neckar entlang. Der Kurpfalzweg birgt hierbei großes Konfliktpotential, denn zwar benötigt die Ampelanlage für eine Schaltperiode unter 30 Sekunden und wäre dabei eine völlig valide innerörtliche Unterbrechung für den Weg, aber diese Kreuzung wird ebenfalls exzessiv von Bahn, Fußgänger und Autos genutzt. Eine klare Einteilung in Fahrrad- und Fußgängerweg, sowie eine Abgrenzung zur Straße wird durch den geringen Platz auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Idee eines Radschnellwegs erhalten bleiben soll, erschwert. Auch die Unterführung der Brücke, die direkt auf die Ampelanlage folgt, ist im jetzigen Zustand nicht als Radschnellweg zu gebrauchen. Sie ist zu eng, es kommt jetzt schon zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern und aus Richtung Mannheim ist die Gegenfahrbahn in der Kurve schlecht bis gar nicht einsehbar. Des Weiteren führt eine Rampe zu der Unterführung hinunter, wodurch erhöhte Geschwindigkeiten entstehen. Hier muss ein massiver Umbau vorgenommen werden, falls die geplanten 2500 Radfahrer am Tag diese Stelle queren sollten. Weiter geht der Weg am Neckar entlang bis zur Friedrich-Ebert-Brücke. Auch hier gibt es eine Unterführung, die aber von beiden Seiten gut einsehbar ist, auch wenn hier ein Ausbau nötig sein wird, da nicht genügend Platz für einen Fußgänger- und Fahrradweg vorhanden ist. Auf der anderen Seite folgt der Weg über eine Rampe auf die Brücke, die auf einer Seite von beiden Fahrtrichtungen überquert werden soll, um dann vor dem Klinikum weiter zu verlaufen. Zum einen muss hier eine neue breitere Brückenauffahrt gebaut werden, zudem besteht die Frage, was mit dem Fußgängern passiert. Denn um eine mindestens zweispurige Radfahrbahn zu erschließen, muss der Fußgängerweg auf einer Seite entfernt und auf die andere Straßenseite verlegt werden.

Vom Klinikum bis Feudenheim

Der Radweg führt entlang des Klinikums und durch ein Stück der Röntgenstraße, wovon abgehend sie dann auf die Straße „Im Pfeifferswörth“ wechselt. Diese Straße führt entlang verschiedener Vereine und Gewerbe und endet an der Bahnbrücke. Zum einen muss die Zufahrt zu den Vereinen gewahrt werden, zum anderen befahren auch LKWs diese Straße. Unserer Auffassung nach sollten sich auf dem Fahrradschnellweg niemals LKWs und Radfahrer die Straße teilen, da der Sicherheitsaspekt dadurch zu sehr beeinträchtigt wird. Nach der Bahnbrücke führt der Weg entlang des MHC Vereinsgeländes über eine Brücke nach Feudenheim. Der MHC spielt in der Bundesliga und hat an Spieltagen entsprechend hohen Zulauf. Die Anfahrt führt über den geplanten Radweg, womit die Straße an den Spieltagen nicht beiden Ansprüchen genügen kann. Alternativ könnte der Weg am Kanal entlanggeführt werden, wo zwar die nötige Infrastruktur noch geschaffen werden muss, aber so zumindest diesem Konflikt entgangen wird.

Feudenheim

In Feudenheim führt der Weg über die Spessart- sowie die Odenwaldstraße und von dort aus über die Ilvesheimer Straße nach Ilvesheim. Hierbei führt er direkt an der Feudenheimer Brüder-Grimm-Schule vorbei. Somit könnte eine Problemstelle für junge Schülerinnen und Schüler entstehen, welche den Fahrradschnellweg auf ihrem Weg in die Grundschule kreuzen müssen. Abhilfe könnte hier ein Zebrastreifen oder eine Fußgängerampel schaffen, durch welche die Grundschüler auch weiterhin ihren Schulweg sicher bestreiten können. Von der Breite würden sich alle Straßen eignen und benötigen nur einen entsprechenden Umbau. In der Ilvesheimer Straße existiert sogar schon ein Radweg für dessen Aufwertung z.B. die Parkplätze eingeschränkt werden können, sodass genügend Platz für alle Verkehrsteilnehmer vorhanden ist. Am Ende von Feudenheim liegt eine große Kreuzung, deren Überquerung mit einer für den Fahrradweg optimierten Schaltung oder sogar einer Überbrückung der Straße gelöst werden kann.

Ilvesheim

Über die Feudenheimer Straße führt der Weg weiter nach Ilvesheim hinein. Diese ist sehr breit, um aber für ausreichend Platz für alle Verkehrsteilnehmer zu sorgen, müssen auch hier die Parkplätze entfernt werden. Des Weiteren ist die Kreuzung an der Brücke sehr gefährlich. Die Kreuzung, an der fünf Straßen aufeinandertreffen, ist schon heute ein Verkehrsknotenpunkt – ein hohes Fahrradaufkommen würde diese prekäre Situation weiter verschärfen. Zudem müssen Radfahrer in Richtung Heidelberg die L538, eine Kreisstraße, überqueren. Entweder muss hier eine Verkehrsregelung, wie eine Ampel, gebaut oder die bestehende Unterführung, welche die Lessingstraße und die Goethestraße verbindet, ausgebaut werden. Auch die Goethestraße, in welcher der Radweg weiter geht, ist stark belastet, denn an dieser Straße liegen zwei Altersheime, ein Kindergarten und ein Hospiz nebeneinander. Deswegen ist es zurzeit das Ziel der Gemeinde mit einer Verkehrsberuhigung diese Straße zu entschleunigen. Dazu kommt, dass schon jetzt ein Platzproblem herrscht, weswegen eine mögliche, gemeinsame Nutzung von Autos und Radfahrern mehr als fraglich ist. Eine Lösung für diesen problematischen Weg wäre die Wegführung entlang des Kanals. Dadurch würde die örtliche Anbindung nur gering eingeschränkt werden, die Konflikte mit der Straßenführung und anliegenden Einrichtungen wären allerdings stark verringert.

Ladenburg

Aus Ilvesheim kommend mündet der Weg direkt auf eine Zufahrtsstraße eines Unternehmens, welcher ebenfalls von LKWs genutzt wird. Eine klare Trennung ist hier sehr wichtig, für welche aber genügend Platz vorhanden ist. Von dort führt der Weg über eine Trasse, welche sich noch im Bau befindet, nach Edingen.

Edingen

Wir befahren den Weg wieder ab der Kreuzung der L637 und L597. Von dort soll der Weg parallel zur Bahnstrecke durch ganz Edingen geführt werden. Hierbei kreuzt er beide Bahnübergänge, an welchen die Vorfahrtsstraßen beide Ortsteile miteinander verbinden und deswegen ein entsprechend hohes Verkehrsaufkommen herrscht. Auf diese Stellen muss auf Auto- wie Radfahrer besonders hingewiesen werden. Weitere Verkehrsregelungen wie Ampeln könnten beim geordneten Überqueren helfen. Der Weg führt an einer Kita und einer Schule vorbei und liegt somit auf einem möglichen Schulweg. Es müssen hier also Absprachen mit der Gemeinde getroffen, inwiefern der Schulweg blockiert wird und welche sicheren Alternativen es für die Kinder gibt. Auch außerhalb von Edingen führt der Weg parallel zur Bahnlinie weiter und ist auf der gegenüberliegenden Seite meist von Feldern begrenzt. Kurz vor der A5 kreuzt er dann auf die L637, wodurch eine gefährliche Situation entsteht. Durch die Begrünung der Brücke ist sowohl die Straße, als auch die Radstrecke schlecht einsehbar und die Rampe für die Radfahrer auf beiden Seiten erschwert einen gezielten Stopp mit sicherem Abstand an der Straße. Die Geschwindigkeit der Autofahrer muss hier massiv verringert werden und für Radfahrer muss die Gefahr der Stelle klar kenntlich gemacht werden.

Wieblingen und Heidelberg

Auch in Wieblingen steht man den Problemen Edingens gegenüber. Der Radweg führt ebenfalls entlang der Bahnlinie und kreuzt dadurch mehrere Straßen bzw. Bahnübergänge. Es benötigt dadurch ein Verkehrskonzept wie in Edingen, welches den Verkehrsfluss von Autos und Fahrradfahrern aufrecht hält. Im jetzigen Zustand sind die Bahnübergänge alle Vorfahrtsstraßen, wodurch für einen Radschnellweg zu viel Unterbrechungen entstehen würden. Dann biegt der Radweg an der Lieselotte Straße links ab und mündet in die Mannheimer Straße, von welcher er aus rechts in die Innenstadt von Heidelberg führt. Da es aus den Plänen nicht ganz ersichtlich war, an welcher Stelle der Radweg die Mannheimer (und ab einem Punkt Vangerow-) Straße überquert, um dann am Neckar entlang weiterzuführen, plädieren wir hier dafür, diese Überquerung bereits in Wieblingen anzulegen, da das Verkehrsaufkommen nach der Autobahneinfahrt über die A656 nach Heidelberg einfach zu groß wird. Dies hätte auch den Vorteil, dass man die Fahrrad- und Fußgängerbrücke, welche zur Universität und den Kliniken ins Neuenheimer Feld führt, sofort anbinden kann. Am Neckar entlanggeführt zum Bismarckplatz muss der Fahrradweg zwar noch breiter gemacht und eine Abgrenzung zum Fußgängerweg eingerichtet werden.

Fazit

Ein Infrastrukturprojekt dieses Ausmaßes schafft immer Konflikte unterschiedlicher Parteien. Besonders wenn es ein Pilotprojekt ist, gibt es meistens eine geringe Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Radschnellweg ist ein solches Projekt, das an vielen Stellen noch stark ausgebessert werden muss und dessen Wegführung noch nicht festgeschrieben ist. Gerade in Bezug auf anliegende öffentliche Einrichtungen entsteht manchmal der Eindruck, dass hier zu wenig auf die Einschränkung durch eine Schnellweg und mehr auf die Anbindung eingegangen worden ist. Trotzdem darf man sich von den vielen Kritikpunkte, welche wir zu den schon bestehenden hinzufügen, nicht abschrecken lassen, sondern eine so breite Rückmeldung als Chance sehen, einen Kompromiss zu finden, mit dem sich alle identifizieren können. Wir wollen unseren Beitrag mit dieser Erklärung beisteuern, sodass ein guter Radschnellweg gebaut werden kann, dessen Entwicklungsprozess als Beispiel anderen nutzen kann. Wir stehen einem Gelingen des Projektes optimistisch gegenüber, wenn genannte Konfliktpunkte eine zufriedenstellende Lösung erhalten.