Aus der RNZ vom 18.06.2015 von Micha Hörnle
Vor gut 100 Tagen wurde Alexander Föhr mit 97 Prozent zum neuen Vorsitzenden der Heidelberger CDU gewählt, er folgte Eyke Peveling nach, der zwölf Jahre an der Spitze der Partei stand. Der 34-Jährige ist seit 1999 in der Partei, seit dem letzten Jahr ist er auch Stadtrat. Beruflich arbeitet Föhr als Pressesprecher der AOK Rhein-Neckar-Odenwald, außerdem engagiert er sich seit 2011 als Sitzungspräsident beim Fastnachtsverein seines Stadtteils Ziegelhausen, der ZKG. Privat spielt er leidenschaftlich gerne Fußball und ist Vater einer sechsjährigen Tochter. Von ihm wollte die RNZ wissen, wohin unter seiner Ägide die Reise mit der nach der SPD mitgliedermäßig zweitgrößten Partei der Stadt - die CDU stellt auch mit 11 von 48 Sitzen die größte Ratsfraktion - geht.
Herr Föhr, was konnten Sie in ihren ersten 100 Tagen im Amt "reißen"?
In die Partei hinein geht es mir darum, kommunalpolitische Themen nach vorn zu bringen und Fraktion und Partei noch besser zu verzahnen. Das hat die ganz praktische Folge, dass Fraktion und Parteivorstand nacheinander tagen und ein Thema inhaltlich bearbeiten - zuletzt waren das der Standort des Konferenzzentrums und die Entwicklung des Neuenheimer Feldes.
Irgendwie wirkte die Parteiarbeit, zumindest die Darstellung nach außen, etwas eingeschlafen.
Man darf nicht vergessen, dass wir das alles im Ehrenamt leisten. Aber wir bereiten für die kommenden Wochen etliche Veranstaltungen vor, zu den Themen Bildung, zur Pflege- und zur Wirtschaftspolitik. Zudem feiern wir den 70. Geburtstag der CDU. Der Kreisvorstand hat sich da ein strammes Arbeitspensum auferlegt, wir wollen eine stärkere Rolle in der Außendarstellung übernehmen.
Ist denn die Profilierung nicht schwerer, wenn einem der Oberbürgermeister nahesteht?Unter Beate Weber konnte doch die CDU sich viel besser profilieren …
Natürlich konnte die CDU bei vielen Themen unter Weber besser mobilisieren. Das ist bei Würzner sicherlich schwerer. Aber auch mit ihm müssen wir nicht immer einer Meinung sein - siehe unsere Positionen zum Konferenzzentrum und zum Neustart im Neuenheimer Feld. Aber ganz generell tendieren wir nicht dazu, Opposition zu sein, wir wollen gestalten.
Aber das sind Sie doch in gewisser Weise: Opposition. Das Pro-Würzner-Lager hat im Gemeinderat keine Mehrheit.
Das sehe ich nicht so, denn die 13 Gruppierungen im Rat orientieren sich ja nicht starr an den Lagergrenzen. Dass man angesichts dieser Vielfalt durchaus etwas zustande bringt, zeigt die überwältigende Mehrheit bei der Verabschiedung des Haushalts.
Nur bei Verkehrsthemen stehen die alten Lager ja noch - dafür umso fester.
Ja, da ist es auch besonders schwer - und da hat sich leider auch in den letzten Jahren wenig getan.
Generell hat es ja auch die CDU in Großstädten, vor allem in Unistädten schwer. Was ist die richtige Strategie?
Das Kunststück ist, auch mit unkonventionellen Methoden neue Wähler anzusprechen und Berührungsängste abzubauen. Die CDU ist eben nicht die Autofahrer- und Honoratiorenpartei, sondern auch jung, weiblich und modern. Gerade in Heidelberg. Wir suchen den Kontakt und gehen zu den Menschen.
Bei der letzten Gemeinderatswahl setzten Sie auf eine Verjüngungsstrategie …
Ja, aber nicht nur, denn die Mischung macht’s. Es bringt doch nichts, nur junge Wähler anzusprechen. Wir müssen auch die Stammwähler pflegen. Die Herausforderung besteht darin, sich breit aufzustellen - und alle Strömungen in der Partei mitzunehmen.
Zu welchem Flügel zählen Sie sich denn selbst?
Das kommt immer aufs Thema an.
Gerade streitet Ihre Partei über die Homo-Ehe.
Ich finde es richtig, dass man gleiche Rechte bekommt, wenn man füreinander Verantwortung übernimmt und die gleichen Pflichten hat. Aus meiner Sicht zählt der Inhalt der Beziehung und nicht das Etikett, das auf ihr klebt.
Die Heidelberger CDU hat den Ruf, ziemlich zerstritten zu sein.
In dem Zeitraum, den ich überblicken kann, ist das nicht der Fall. Natürlich gibt es Diskussionen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass Streit ein Markenzeichen der CDU Heidelberg ist. Und schon gar nicht im Persönlichen.
Welche Themen wollen Sie denn ganz persönlich voranbringen?
Ganz wichtig ist der demografische Wandel, in unserer Stadt muss man in jedem Alter gut leben können. Wir müssen auch mehr für das Erscheinungsbild tun. Unsere Plätze, Straßen und Grünflächen brauchen mehr Sauberkeit und Pflege. Und ich würde gern das wirtschaftspolitische Profil der CDU, gerade auch beim Mittelstand, schärfen: Das Geld, das wir ausgeben, muss auch verdient werden. Das vergessen andere Parteien zu oft.
Das würden FDP, Heidelberger und Freie Wähler genauso sagen.
Und das ist gut so. Schlimm, dass es noch neun andere Gruppierungen im Rat gibt, die es nicht so sagen. Uns unterscheiden vor allem die Präsenz in den Stadtteilen, die Größe und die überregionale Vernetzung. Das ist ein großer Vorteil für uns.
Irgendwie hört man von Ihnen nichts mehr zu Ihrer Forderung aus dem Kommunalwahlkampf, die Stadt an den Fluss zu bringen. Warum?
Dazu brauchen wir auch Mehrheiten. Es bringt doch nichts, aussichtslose Schaufensteranträge zu stellen. Da bin ich Realist. Aber wir werden diese Idee garantiert nicht aufgeben.
Was steht innerhalb der Partei an Hauptarbeit an?
Wir bereiten uns auf die Landtagswahl vor - und wollen das Direktmandat gewinnen.
Auch gegen eine außerordentlich populäre Ministerin Theresia Bauer von den Grünen?
Das wird schwer, aber bis März kann ja noch eine Menge passieren. Außerdem wäre es gut, wenn wieder zwei Abgeordnete in Stuttgart die Heidelberger Interessen vertreten.
Im nächsten Jahr steht auch die Wiederwahl des Ersten Bürgermeisters an. Die CDU hat das Vorschlagsrecht.
Und das werden wir auch nutzen. Werden Sie Bernd Stadel unterstützen? Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Wir haben einen amtierenden Ersten Bürgermeister, dessen eigene Pläne ich noch nicht kenne. Unsere Unterstützung werden wir auch davon abhängig machen, welche Ziele er hat. Stadel hat insofern einen Vorsprung, da er bekannt ist und man ihn an den letzten acht Jahren messen kann.
Der ehemalige FDP-Chef Philipp Rösler hat mal gesagt, mit 40 sei für ihn mit der Politik Schluss. Gilt der Satz auch für Sie?
Ich denke noch nicht über das Ende in diesem Amt nach, auch wenn ich schon denke, dass es nach einer gewissen Zeit auch mal gut tut, wenn die Personen wechseln. Ich plane als CDU-Kreisvorsitzender keinen kurzen Sprint.
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